Licht und Liebe

Ewiges Licht: Du findest uns. Ölgemälde auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2025). 40 cm x 40 cm. Als Original erhältlich
Ewiges Licht: Du findest uns. Ölgemälde auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2025). 40 cm x 40 cm. Als Original erhältlich

Maggie war 18 Jahre alt und war mit der Schule fertig. Sie wollte ein Jahr lang reisen und die Welt sehen. Sie ist in Amerika aufgewachsen. Für ihre Auszeit hat sie das Land Indien gewählt. Sie reiste mit offenen Augen und war mal hier, mal da. Nach einiger Zeit lernte sie ein Kinderheim kennen. Sie entschied sich, dort für ein paar Monate zu bleiben und als Freiwillige mitzuarbeiten. Dort traf sie Tope, der die Verantwortung für das Projekt hatte. Tope war selbst ein Waisenkind gewesen und stammt aus Nepal. In den Wirren des Bürgerkriegs war er nach Indien gekommen. Er sah, wie gut Maggie mit den Kindern umging. Maggie hat ein großes Herz für Kinder, schon immer. Sie schloss die Waisenkinder in ihr Herz. Sie lernte ihre Sprache und die Gebräuche des Landes. Das geschah vor 20 Jahren, im Jahr 2005. 

 

Maggie befreundete sich dort mit einer jungen Frau namens Sunita, einer Nichte von Tope.  Sie wurde als Kind aus Nepal vertrieben. Sie hatte den großen Wunsch, in das Dorf in Nepal zurückzukehren,  aus dem sie stammte. Sie fragte Maggie, ob sie sie auf der Reise begleiten könnte.  Maggie sagte Ja. Und sie fühlte sofort etwas Besonderes in diesem Land. So, als ob es eine neue Heimat für sie werden könnte. Als sie im Heimatort von Sunita angekommen waren, begegnete ihr ein siebenjähriges Mädchen namens Hima. Sie arbeitete in einem Steinbruch, um dort ein bisschen Geld für ihre Familie zu verdienen. Sie lebte unter ärmlichsten Bedingungen. Sie hatte keine Chance, eine Schule zu besuchen, und sie war nur in Lumpen gekleidet. Aber sie hatte ein Leuchten in ihren Augen. Das kam bei Maggie an. Sie fühlte sofort eine Herzensverbindung zu diesem Mädchen und zu den anderen Kindern, die mit ihr dort arbeiteten. Im Lauf der nächsten Wochen und Monate wurde für Maggie deutlich, dass sie etwas für die Kinder in Sunitas Heimatort tun wollte, etwas Großes. Hima hatte wenigstens eine Familie. Aber da waren viele, die keine Familie hatten und kein Dach über dem Kopf. Sie setzte sich mit Tope in Verbindung und fragte, ob er bereit wäre, es mit ihr zu tun. Sie wollte ein Kinderheim für Waisenkinder gründen. Sie wollte den Kindern eine neue Heimat geben und die Möglichkeit, eine Schulbildung zu bekommen. Zusammen gründeten sie die Stiftung "Blink now" und erreichten die staatliche Anerkennung. Im Jahr 2007 war es so weit. Nun konnten sie Spenden annehmen. Sie kamen hauptsächlich aus Amerika, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Maggie. Maggie hatte sich durch Nachhilfeunterricht einiges Geld verdient, solange sie noch zuhause gelebt hatte. Sie bat ihre Eltern, ihr das Geld nach Nepal zu schicken. Sie kauften Land und bauten ein Haus. Das erste Kind wurde bei ihnen aufgenommen. Weitere kamen hinzu. Sie lebten wie eine große Familie. Allmählich wuchs diese Familie. Das Haus wurde immer weiter aufgestockt. Maggie und Tobe schufen Raum für 50 Kinder. Sechs Erwachsene lebten mit ihnen und sorgten mit ihnen für die Kinder. Sie wurden "Onkel" und "Tanten" genannt. Maggie war zunächst einfach Maggie. Aber die Kinder fragten sie eines Tages, ob sie "Mama" zu ihr sagen dürften. Es war stimmig. Sie liebte jedes dieser Kinder und tat für jedes, was eine Mutter tun würde: Umsorgen, trösten, anleiten, behüten, motivieren, lieben. Von nun an wurde sie Mama genannt, oder "Mama Maggie". 

 

Eines Tages klopfte eine Frau an ihr Tor und brachte ihnen ein Neugeborenes, das völlig unterernährt war. Der kleine Junge war in Lebensgefahr. Maggie eilte mit ihm in die nächstgrößere Stadt in ein Krankenhaus. Er musste beatmet werden. Er lag auf der Intensivstation. Maggie hatte vorher noch nie ein so kleines Kind gesehen. Noch nie eines, das so arm dran war. Sie bangte um sein Leben und blieb an seinem Bettchen. Sie wollte ihn keinen Augenblick aus den Augen lassen. Sie gab ihm den Namen "Ravi". Übersetzt heißt das: "Sonnenschein". Sie brachten ihn durch, und Maggie kehrte mit ihm in das Kinderheim zurück. Die beiden wurden von allen willkommen geheißen. Die anderen Kinder nahmen ihn als kleinen Bruder an. Sie freuten sich, als er anfing zu lächeln und als er krabbeln lernte. Sie feierten ihn, als er die ersten Schritte tun konnte. Er war wirklich ein Sonnenschein und brachte sie noch mehr zusammen, als sie vorher schon waren. Alle fühlten sich für ihn verantwortlich und passten gut auf ihn auf. Aber eines Tages geschah das große Unglück. Ein paar größere Kinder hatten ihn ans Wasser mitgenommen. Niemand sah, als er ins Wasser fiel. Kein Erwachsener war da, um einzugreifen. Ravi ertrank. 

 

Alle Erwachsenen und alle Kinder trauerten. Es war, als ob die Freude aus ihrem Heim verschwunden wäre für immer. Maggie war am schlimmsten dran von allen. Sie machte sich Vorwürfe, versagt zu haben. Warum hatte sie in diesem Augenblick Ravi aus den Augen gelassen? Wie konnte das passieren? Dieser Sonnenschein fehlte ihr in jedem Augenblick. Sie wusste nicht, wie sie weiterleben sollte ohne ihn. Ihre Mutter und ihre Schwester kamen aus Amerika, um nach ihr zu sehen. Als sie sahen, wie elend sie war, überredeten sie sie, für eine Weile in die Heimat zurückzukommen, um sich zu erholen. Maggie und ihr Team stimmten zu. Maggie wurde zuhause gut umsorgt. Aber es war eine fürchterliche Zeit der Trauer. Die Kinder fehlten Maggie, und Maggie fehlte ihnen. Es war für sie, als hätten sie nicht nur ihren kleinen Bruder, sondern auch ihre Mutter verloren. Sie hielten Kontakt mit dem smartphone. Jeden Tag gingen die Botschaften hin und her: "Ich vermisse dich so!" "Ich liebe dich!" "Wie geht es dir?" Nach zwei Monaten hatte Maggie sich so weit erholt, dass sie zurückkehren konnte. Die Wiedersehensfreude war überwältigend. Die ganze Gemeinschaft lebte auf. 

 

Während der Trauerzeit in Amerika hat Maggie Jeremy kennengelernt, einen jungen Filmmacher. Sie verliebten sich. Als Maggie zurückkehrte, kam Jeremy mit. Er fand seine Rolle in der Gemeinschaft. Er fing an, einen Film über sie zu drehen. Es war offensichtlich für alle, wie sehr Maggie ihn liebte. Die Kinder schlugen ihm vor: "Heirate Maggie!" Sie waren nicht eifersüchtig, dass sie ihre Mama nun mit ihm teilen mussten. Sie waren so froh über ihr neues Glück. Es ging nicht so schnell, wie die Kinder dachten. Aber Maggie und Jeremy wurden wirklich ein Ehepaar. Und Maggie bekam ein Kind. Sie gab ihr den Namen "Ruby" und als zweiten Namen "Sunshine" (Sonnenschein), in Erinnerung an den verstorbenen Ravi. Dieses kleine Mädchen wuchs in der Gemeinschaft auf, als wäre sie die kleine Schwester von allen. Inzwischen ist sie 10 Jahre alt. 

 

Maggie Doyne hat einige große Auszeichnungen für ihre Arbeit bekommen. Im Jahr 2015 bekam sie den Preis "Heldin des Jahres" vom amerikanischen Fernsehsender CNN. Das Preisgeld betrug 100 000 Dollar. Viele andere Auszeichnungen folgten. Jeder Cent ist in die Arbeit mit den Waisenkindern geflossen. Das Projekt ist gewachsen und gewachsen. Sie haben inzwischen ihre eigene Schule und ein eigenes Krankenhaus. NIcht nur die Kinder aus dem KInderheim kommen dorthin, sondern Menschen aus der weiten Umgebung. Sie arbeiten auch mit den Erwachsenen des Ortes und sorgen für Bildung und Beschäftigung. Sie bauen ihre eigenen Lebensmittel an. Kinder, die erwachsen geworden sind, bekommen Stipendien für Studien und Ausbildungen, zum Teil in Amerika und Europa. Alles wird von Spenden finanziert. Im Jahr 2025 hat Jeremy geschafft, seinen Film zu vollenden. Er trägt den Titel "Between the mountain and the sky". In diesem Film sieht man Originalszenen aus dem Kinderheim, aus dem Umgang von Maggie mit den Kindern, aus der Beziehung von Maggie und Jeremy. Dieser Film ist etwas vom Schönsten, das ich je gesehen habe. Ein Zeugnis für die Kraft von Licht und Liebe. Er hat volle Spielfilmlänge von 120 Minuten. Er ist in englischer Sprache gedreht, der Sprache von Maggie und Jeremy. Wenn die Kinder und Tope sprechen, ist es in nepalesisch. Aber der Film bietet die Möglichkeit, Untertitel einzustellen. Dort wird alles in englisch übersetzt. Leider gibt es noch keine deutschen Untertitel. 

 

Wenn Sie möchten, können Sie diesen Film anschauen während der ruhigen Tage zwischen den Jahren. Bis zum 4. Januar kann man ihn über das Internet abrufen, sogar kostenlos. Normalerweise ist er nur gegen eine Spende zu sehen. Natürlich können Sie freiwillig eine Spende machen, bevor oder nachdem Sie den Film gesehen haben. Aber die Spende ist keine Bedingung. Natürlich fließt das ganze Spendengeld in die Finanzierung der Stiftung "Blink now". Blink now ist übrigens eine Kurzfassung für die Aufforderung: "Lass dein Licht leuchten - jetzt!" 

 

An Weihnachten habe ich mit anderen zusammen den Vers gesungen: 

"Das ewig Licht geht da herein, 

gibt der Welt ein neuen Schein. 

Es leucht wohl mitten in der Nacht 

und uns des Lichtes Kinder macht. 

Kyrieleis." 

 

Dieser Vers ging mit mir, als ich mein neues Bild erschaffen habe. 

 

Erinnern wir uns an die Kraft des Lichtes und an die Kraft der Liebe. Lassen wir unser Licht leuchten, mitten in der dunklen Zeit, mitten in Trauer und Not. Dazu sind wir gerufen. Heute und an jedem neuen Tag. 

 

Ich wünsche Ihnen allen und Euch allen ein gutes, gesegnetes neues Jahr im Licht der Liebe! 

Gabriele Koenigs 

 

 

 

 

 


Hier können Sie ein kurzes Video sehen und Maggie hören, 10 Jahre nach der Verleihung ihres Preises "hero of the year", Heldin des Jahres. Hier kündigt sie den Film an, den Jeremy gedreht hat. Hier bekommen Sie einen ersten Eindruck von ihr. 

 

Videos bei youtube sind mit Werbung verbunden. Lassen Sie sich dadurch nicht ablenken. Sie können die Werbung deutlich abkürzen, indem Sie auf die Schaltfläche klicken, die nach wenigen Sekunden rechts unter dem Video erscheint: überspringen. 

Hier hören Sie meinen Lieblingsvers aus einem Weihnachtslied von Martin Luther: 

 

Das ewig Licht geht da herein, 

gibt der Welt ein neuen Schein. 

Es leucht wohl mitten in der Nacht

und uns des Lichtes Kinder macht.

Kyrieleis. 

Hier können Sie das Neujahrslied von Paul Gerhardt hören, sehr eindrucksvoll rezitiert von Otto Sander. Ein Lied, das erstaunlich aktuell klingt, obwohl es schon so alt ist! 

Viel Freude beim Anhören!