Ich darf das Neue sehen

Gott macht alles neu. Ölgemälde auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2025). 40 cm x 50 cm. Als Original erhältlich
Gott macht alles neu. Ölgemälde auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2025). 40 cm x 50 cm. Als Original erhältlich

Lars und Erik wohnen etwas mehr als ein Jahr in Zavelstein. Ihre Eltern haben ein großes Haus für ihre Familie gebaut, ganz nah am Waldrand. Sie mögen die Ruhe und die gute Luft und die nette Nachbarschaft. Am allermeisten mögen sie den Wald. Welch eine Wonne, dass der Wald so nahe ist! Schon im ersten Sommer haben Lars und Erik angefangen, ein Lager im Wald zu bauen. Wochenlang haben sie Äste und Zweige zusammengetragen, mit Tannenreis abgedeckt und mit Bast zusammengebunden und ein kunstvolles Bauwerk daraus gemacht. Es ist so hoch, dass sie sogar aufrecht drinnen stehen können. Und es ist so groß, dass auch noch ein paar Freunde mit ihnen zusammen darinnen spielen können. Sie interessieren sich für die Tiere und die Pflanzen im Wald. Zusammen mit ihren Eltern studieren sie Bestimmungsbücher. Sie lesen die Tierspuren und sammeln Beeren. Sie bemühen sich, niemals den Frieden im Wald zu stören. Sie hinterlassen keinen Müll. Sie zerstören keine Pflanzen. So weit ich weiß, gibt es  niemanden, der sich an ihrem Tun und Treiben stört. Ganz im Gegenteil: Es ist richtig nett, die spielenden Kinder im Wald zu treffen. Sie zeigen gerne, was sie machen. Ich unterhalte mich sehr gerne mit ihnen. 

 

 

In der Adventszeit kam ihnen eine neue Idee. Eines Tages sagten sie beim Mittagessen:  "Mama, wir wollen ein Haus für die Waldwichtel bauen!"  "Wie wollt ihr das machen", fragte die Mutter.  "Wir machen es aus Moos und Wurzeln und  klitzekleinen Ästen und Steinen und Zapfen. Wir nehmen alles, was wir im Wald finden!" Kaum waren die Hausaufgaben gemacht, gingen sie ans Werk. Den ganzen Nachmittag blieben sie im Wald. Kurz vor Eintritt der Dunkelheit ging ihre Mutter mit der kleinen Schwester nach draußen, um zu schauen, was ihre Buben machen. Sie staunte. "Das sieht putzig aus!" "Gut gemacht!" Am nächsten Tag bauten die beiden ein weiteres Waldwichtelhaus. Sie hängten sogar eine kleine Schaukel für die Waldwichtelkinder auf. Und sie schrieben auf einen Stein: "Hier wohnen Olle, Lara und Knut". Ein Klassenkamerad von Lars kam vorbei. Er sagte: "Ich möchte auch ein Wichtelhaus bauen. Okay?" "Klar", sagten die beiden. "Such dir einen Platz aus! Dann wird es allmählich eine ganze Siedlung für die Waldwichtel!" Während die drei Buben sich mit dem Bauen beschäftigten, kam eine Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern vorbei. Die Waldwichtelhäuser stehen ganz nahe an einem Wanderweg. Sogar vom Kinderwagen aus sind die Wichtelhäuser zu sehen. "Schaut mal", sagte die Mutter zu ihren beiden Kleinen, hier wohnen die Zwerge!" Sie fragte die Jungen: "Habt ihr das gebaut?" "Ja", sagten diese. "Wenn ihr wollt, könnt ihr auch eines bauen!" Das ließen sich die drei nicht zweimal sagen. Im Nu entstand ein weiteres Wichtelhaus. 

 

Eine alte Frau kam vorbei. Der Waldweg führt zum Friedhof, etwas außerhalb des Ortes. Die Frau wollte zum Friedhof. Ihre Tochter hatte ihr schon gesagt: "Du musst mal schauen. Da bauen Kinder etwas ganz Drolliges!" Als die alte Frau die spielenden Kinder sah, sagte sie: "Das ist schön, dass ihr den Wichteln Häuser baut. Die Wichtel kommen ja nur nachts, wenn ihr schon schlaft. Aber passt auf, dass ihr sie nicht ärgert. Sonst kommen sie gar nicht mehr in unseren Wald." Die Kinder versprachen ihr das. 

 

Allmählich sprach sich herum, dass Zavelstein eine neue Attraktion hat. Immer mehr Kinder und Erwachsene liefen dort vorbei und schauten. Einige bauten weitere Wichtelhäuser dazu. Manche taten es heimlich, wenn gerade niemand sonst da war. Die Siedlung wuchs und wuchs. Jeden Tag gab es etwas Neues zu sehen.  

 

Eines Tages waren drei Wichtelhäuser umgefallen. Drei Häuser, die nahe beieinander standen. Erik sagte: "So ein Mist! Wer hat das kaputtgemacht?" Ihm kamen die Tränen. Lars entdeckte Spuren eines Rehs. "Schau mal", sagte er. "Vielleicht ist das Reh ganz aus Versehen über die Häuser gelaufen. Wir bauen sie einfach wieder auf." Alle Kinder, die gerade draußen waren, halfen mit. Die neuen Häuser wurden noch phantasievoller als die vorherigen.

 

Weihnachten war nicht mehr weit. Die Kinder überlegten sich, wie sie die Siedlung ein bisschen weihnachtlich schmücken könnten. Sie hängten Strohsterne an ein Tannenbäumchen. Einer brachte rote Weihnachtskugeln von zuhause. Die Kinder berieten sich. Lars sagte: "Eigentlich wollten wir nur mit Material aus dem Wald bauen. Die Kugeln passen nicht richtig." "Aber sie sind doch so hübsch", widersprach seine Klassenkameradin. "Wetten, dass die Kugeln den Wichteln auch gefallen? Bitte lasst sie hängen!" Andere Kinder stimmten ihr zu. Als Lars und Erik mit ihren Eltern darüber sprachen, sagten diese: "Ihr müsst die Weihnachtskugeln jetzt nicht verbieten. Aber ihr müsst alle miteinander dafür sorgen, dass nach dem Dreikönigstag alles, was nicht in den Wald gehört, wieder mitgenommen wird. Könnt ihr das?" Ihre Kinder versprachen es. "Und passt auf, dass niemand auf die Idee kommt, Kerzen im Wald anzuzünden", sagte der Vater. "Ich habe euch heute etwas mitgebracht". Er gab ihnen eine kleine Tüte. Darin waren 20 Teelichter mit LED-Beleuchtung. "Diese könnt ihr ohne Gefahr am Abend leuchten lassen!" Die Kinder waren begeistert. Sie gingen gleich nochmals nach draußen und verteilten die Lichter bei den Wichtelhäusern. 

 

Am Heiligabend stand eine Tafel an einem Tannenbaum dort draußen im Wald. Jemand hatte darauf geschrieben: "Liebe Kinder und liebe Erwachsene, ihr feiert gerne Weihnachten. Die Wichtel tun das auch. Bringt ein bisschen Weihnachtsschmuck und hängt ihn an diesen Baum, damit die Wichtel auch eine Weihnachtsfreude haben!" Die Kinder ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie brachten kleine Schätze von zuhause mit und schmückten den Wichtelgarten. 

 

Ich bin fast täglich dort vorbeigegangen und habe mich an dem Geschehen gefreut. Es war so etwas Besonderes. Etwas, das völlig spontan war und gemeinschaftlich. Ein Projekt, das sich einfach im Spiel entwickelt hat. Etwas, das alle respektiert haben. Niemand hat es verboten. Niemand hat es zerstört. Jeder konnte sich beteiligen. Dass so etwas heutzutage möglich ist, erscheint fast wie ein Wunder. Und dass es so leicht ging, und so leise. Das war einfach wunderbar.  Ich bin sehr froh, dass ich das sehen konnte. 

 

Es war, als wäre hier etwas davon sichtbar geworden, was der "neue Mensch" sein könnte: Friedvoll, kreativ, gesprächsbereit, einladend, rücksichtsvoll. Die Kinder haben es uns Erwachsenen und einander vorgelebt. Das hat für mich diese Weihnachtszeit sehr besonders gemacht.  

 

In der Jahreslosung für dieses gerade begonnene Jahr heißt es: "Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21,5). Als ich mit einer Freundin über diese Losung sprach, fragte sie: "Bist du sicher, dass es dann besser ist?" Sie arbeitet im Krankenhaus. Sie hat schon einige Enttäuschungen erlebt mit neuen Geschäftsleitungen und  neuen Vorschriften der Versicherungen. Darum ist sie ziemlich skeptisch gegenüber Neuem. Allzu oft wird es den Menschen einfach übergestülpt, ob sie wollen oder nicht und ob sie es nachvollziehen können oder nicht. Das verstehe ich. Und ich glaube nicht, dass Gott uns das Neue überstülpen wird. Wir sind an der Verwandlung beteiligt. Jeder Einzelne hat Teil an der großen Verwandlung der Welt. Und jede und jeder hat das Potential dazu. Die Verwandlung beginnt in unseren Herzen. Und sie strahlt aus. Andere werden angesteckt und mitgenommen. Es ist noch gar nicht abzusehen, was daraus wird. Vertrauen wir darauf, so wie die Kinder. Schauen wir, wo sich das Wunder ereignet. Und schauen wir, wo wir etwas dazu beitragen können. 

 

Ich wünsche euch allen und Ihnen allen ein gutes neues Jahr. 

Gabriele Koenigs 

 

  


Hier ist ein Lied von Cornelia Pfeiffer zur neuen Jahreslosung. Von allen, die ich bisher gehört habe, hat mich dieses am meisten überzeugt. Mögen Sie es auch? Manche Bilder in dem Video empfinde ich als ein bisschen kitschig. Am meisten mag ich das Lied, wenn ich es mir anhöre, ohne die Bilder anzuschauen. 

 

Die Einstellung ist seltsamerweise so, dass man es nur sehen kann, wenn man auf die Schaltfläche klickt: auf youtube ansehen. 

 

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Hier ist noch ein schönes Lied: " Leise wird es neu" . Viel Freude beim Anhören! 

Die Sängerin hat es insbesondere für die Zeit "zwischen den Jahren" geschaffen.