Einfach zum Staunen

Wie überströmst du mich mit Glück. Abstraktes Gemälde in Mischtechnik auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2019). Privatbesitz. Als Kunstkarte erhältlich
Wie überströmst du mich mit Glück. Abstraktes Gemälde in Mischtechnik auf Leinwand von Gabriele Koenigs (2019). Privatbesitz. Als Kunstkarte erhältlich

Vor ein paar Tagen kam mein neues Buch aus der Druckerei. Ich kann es selbst kaum glauben: Es ist tatsächlich mein zehntes Buch. Es ist wieder sehr schön geworden. Ich freue mich, es in Händen zu halten. Bald wird es in die Hände von vielen anderen Menschen kommen.

 

Als ich jung war und gerade mein Examen nach dem Theologiestudium abgelegt hatte, fragte mich ein Theologieprofessor, ob ich eine Doktorarbeit bei ihm schreiben wolle. Natürlich freute ich mich darüber, dass das Examen so gut gelaufen ist, und ich fühlte mich durch seine Frage ein wenig geschmeichelt. Aber ich wusste sofort, dass dieses Vorhaben für mich nicht passt. 

Mein Mann war damals schon mit seiner Doktorarbeit beschäftigt, und ich half ihm dabei. So wusste ich, wieviel akribische Forschungsarbeit dafür nötig ist, und wieviel Geduld dafür erforderlich ist. Ich wusste: So viel Geduld habe ich nicht noch einmal. Und: Es ist nicht meine Gabe, mich in wissenschaftlicher Sprache auszudrücken. Falls ich jemals ein Buch schreiben würde, würde es etwas ganz anderes sein. 

 

In der Zeit, als ich Pfarrerin war, hatte ich nie den Impuls, ein Buch zu schreiben. Es genügte mir, meine Predigten sorgfältig zu entwerfen. Und ich erzählte schon immer gerne Geschichten. Sie kamen im Religionsunterricht vor, in der Erwachsenenbildung und in Predigten. Meistens waren es Geschichten, die ich irgendwo gefunden hatte. Nur selten erfand ich eigene Geschichten. Ich war immer auf der Suche nach guten Geschichten. Und ich merkte sehr deutlich, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene es liebten, Geschichten zu hören. Geschichten sprechen auf einer anderen Ebene an als Vorträge. Es geht mir ja auch selbst so. Ich leide mit den handelnden Personen und freue mich mit ihnen. Ich bin aufgeregt, wie die Geschichte ausgeht. Ich steige in Lebenserfahrungen ein, die ich selbst nie gemacht habe. Ich übe Mitgefühl. Jede Geschichte erweitert meinen Horizont. Jede Geschichte lehrt mich etwas. 

 

Als ich mich im Jahr 2012 vom Pfarrberuf beurlauben ließ, tauchte ich ganz und gar in die Welt der Kunst ein. Es gab so vieles zu lernen und zu entdecken. Meine Lehrerin brachte uns bei, Fotos als Grundlage für ein Gemälde zu nehmen. Und sie sagte: "Am besten ist es, wenn ihr eigene Fotos verwendet. Erstens bekommt ihr dann kein Problem mit dem Urheberrecht. Und zweitens habt ihr eine viel tiefere Beziehung zum entstehenden Werk, wenn ihr das Motiv selbst fotografiert habt." Das leuchtete mir ein. Parallel zum Malen lernte ich auch zu fotografieren. Bis dahin hatte ich mich nie mit dem Fotografieren beschäftigt. 

 

Nun kam es immer wieder vor, dass mich jemand fragte: "Warum hast du dies Motiv gemalt?" "Was ist das für ein Mensch, den du hier portraitiert hast? Was bedeutet er dir?" Ich kam ins Erzählen und ich genoss das mehr und mehr. Ich erzählte die Geschichten, die zu den Bildern gehörten. Und es waren fast immer erlebte Geschichten. Geschichten, die das Leben selbst geschrieben hat. Ich erzählte sie ganz spontan. Sie waren nicht sorgfältig durchformuliert. Sie kamen jeweils aus der Begegnung, aus dem Moment.   

 

Im Jahr 2017 habe ich mein erstes Buch gemacht. Es trug den Titel "Gott sei Dank" und erschien anlässlich meiner Ausstellung in der Klosterkirche in Bad Herrenalb. Schon damals habe ich entschieden, das Buch ganz eigenständig zu machen, ohne die Vorgaben eines Verlags. Und schon damals fand ich meinen Designer Joachim Pannasch in Bad Wildbad, der mit sehr viel Fachkenntnis und ästhetischem Gespür das Layout des Buches gestaltet hat. Schon damals haben wir uns für das quadratische Format entschieden. Auf einer Seite des Buches war ein Bild zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite erzählte ich die dazugehörende Geschichte, ganz kurz. Die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher haben das Buch gerne gekauft. Und es zeigte sich, dass sie es auch gerne jemandem verschenken. 

 

Das Projekt entwickelte sich weiter. Seither brachte ich in jedem Jahr ein neues Buch heraus. So sind es nun tatsächlich 10 Bücher geworden. Im Lauf der Zeit wurden die Geschichten ausführlicher. Ich erzähle nun mit mehr Details. Manche Geschichten nehmen nun den Raum von 2 oder 3 Seiten ein. Viele Geschichten habe ich von meinen Kursteilnehmern und den Freundinnen und Freunden meiner Kunst gehört. Sie haben mir ihre Lebenserfahrungen erzählt, und ich habe Geschichten daraus gemacht. Manchmal erzähle ich von eigenen Lebenserfahrungen. Und manchmal erzähle ich von einem Menschen, den ich nicht persönlich kenne, sondern nur über das Internet. In jedem Buch gibt es eine Vielfalt von Geschichten und Bildern. Ich zeige realistische und abstrakte Bilder. Ich erzähle von Freude und Leid, von überstandener Not und von Hilfe, von Gottvertrauen und davon, wie sich im Leben vieles zusammenfügt.   

 

Eine Leserin, die mein neues Buch schon erhalten hat, schrieb mir gestern: "Zwei Geschichten habe ich schon gelesen. Sie bleiben ihrem Stil treu und doch ist es jedes mal wieder etwas anders. Ihre Erzählart wird mir nie langweilig, ich tauch dabei immer ein Stück in die Geschichte mit ein." Diese Rückmeldung hat mich sehr gefreut. 

 

Seit einigen Jahren ist es so, dass die Geschichten zuerst sonntags als "Ermutigung" auf meiner Internetseite erscheinen. Wenn sie erscheinen, sind sie noch ganz frisch und sprachlich manchmal noch nicht völlig geschliffen. Wenn ich mich entscheide, eine Geschichte in mein Buch zu übernehmen, bekommt sie eine gründliche sprachliche Überarbeitung. Dabei helfen mir auch die Menschen, die für mich Korrektur lesen. Sie machen mir immer wieder Vorschläge, wie ich etwas präziser oder anschaulicher sagen kann. Ich bin ihnen sehr dankbar für ihr Mitdenken und Mitgestalten. Auch die Rückmeldungen von denen, die sonntags die Geschichten lesen, fließen in die Überarbeitung mit ein. Und immer wieder verdanke ich die schönen Bildtitel meinen Leserinnen und Lesern. So entsteht jedes Buch aus Begegnungen, Briefen, Gesprächen und Emails. Ganz viel Leben steckt drinnen. Und ganz viel Gotteserfahrung und Zuversicht, Trost und Heiterkeit.  Jedes Buch ist bunt wie das Leben. Das ist nun die Art von Buch, die zu mir passt. Ich bin sehr froh und dankbar, wie sich eines zum anderen gefügt hat.  Im Grunde ging es ganz leicht. Schritt für Schritt wurde ich weitergeführt. 

 

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich in meinem Leben 10 Bücher veröffentlichen würde, hätte ich wahrscheinlich gesagt: "Du spinnst!" Ich hatte es nicht vor. Aber nun bin ich sehr glücklich damit. Und ich freue mich jetzt sehr, die Bücher einzupacken und in die Stiftskirche mitzunehmen. Manche werde ich sogar vor der Ausstellung noch auf den Postweg bringen. 

 

Weil es für mich viel unkomplizerter und unbürokratischer ist, jemandem in der Ausstellung ein Buch mitzugeben, erhalten Sie die Bücher dort zum Sonderpreis von 20 €. Bei Postversand kosten sie 22,50 € und zusätzlich Versandkosten von 3 €. 

 


Auf meiner Internetseite gibt es eine kleine Leseprobe vom neuen Buch. Sie finden das Inhaltsverzeichnis, das Vorwort und die erste Geschichte zum Hineinschnuppern. 

 

Der Untertitel meines Buches lautet diesmal: "Gemälde und mehr". Denn Sie finden nicht nur Geschichten und Bilder, sondern auch Gedichte, Bibeltexte und Lieder. Ich habe ein paar Lieder von meinem verstorbenen Freund Michael Stillwater aufgenommen, mitsamt einer deutschen Übertragung. 

 

Sie können sich schon auf dieses Buch freuen. 

Herzliche Grüße! 

Gabriele Koenigs 

 


Hier können Sie etwas sehr Besonderes sehen und hören: Der Cellist Yo -Yo Ma spielt das Spiritual "Nobody knows the trouble I have seen" in einer leeren Konzerthalle in Amerika. Gönnen Sie sich das! 

 

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