
Meine Ausstellung in der Stiftskirche geht dem Ende zu. Es heißt Abschied nehmen von Baden-Baden, von der Stiftskirche und den liebenswürdigen und interessanten Menschen hier. So Gott will und wir leben, werde ich manche von ihnen wiedersehen. Und ich werde ab und zu wieder nach Baden-Baden fahren, für einen Museumsbesuch oder einen Spaziergang oder ein Treffen. Aber so wie jetzt wird es nie wieder sein. Dessen bin ich mir sehr bewusst.
Jeder Tag ist einmalig. Er kommt niemals auf dieselbe Weise wieder. Auch jeder Ausstellungstag war einmalig. Jeder hat besondere Begegnungen mit sich gebracht. Ein guter Geist war unter uns, jeden Tag. Gottes Geist. Ich durfte so viele Menschen erleben und ihre Rückmeldungen auf meine Bilder hören. Manche haben mir ihre Geschichten erzählt und mir ihr Herz geöffnet. Vielen habe ich meine Geschichten erzählt. Manche kamen, die mich schon lange kennen. Vielen bin ich zum ersten Mal begegnet. Wir sind einander nahe gekommen, obwohl wir uns vorher gar nicht kannten. Manche kamen sogar mehrmals. Manche haben Freunde und Bekannte mitgebracht. Mit manchen haben wir zusammen gesungen. Manche haben mir geholfen: beim Aufbau, bei der Werbung, bei der Ausstellungsaufsicht. Welch ein Geschenk! Ich bin sehr dankbar für alles, das ich empfangen durfte. Ich bin sehr dankbar für alles, das entstanden ist in unserem Miteinander. Ich bin dankbar für den guten Geist.
Die Kirche hat schöne bunte Fenster. Wenn die Sonne ihre Strahlen durch die Fenster geschickt hat, sind zauberhafte Reflexionen des Lichts entstanden: auf dem Fußboden und auf den Treppen, auf den Wänden, auf den Skulpturen, auf den Bildern, auf den Menschen. Es geschah ganz leise, immer wieder neu, zauberhaft schön. Es gehört zum Schönsten, das ich jemals gesehen habe.
Der Kirchenraum hat eine wunderschöne Akustik. Eine Stimme, die darin erklingt, kann das ganze Gewölbe füllen, bis in den letzten Winkel. Wir haben die Klänge der Orgel darinnen gehört, die Klänge des Pianos, Saxophon und Klarinette und die Stimmen von Menschen. Wenn es ganz still war, habe ich sogar die Stimmen der Vögel darinnen gehört. Wie gerne habe ich darin gesungen. "Großer Gott, wir loben dich...", "amazing grace...", "Meine Seele wartet auf den Herren".
Gottes Geist ist ein Geist der Freiheit. Er führt uns weiter, von Tag zu Tag. Wir bleiben nicht stehen. Wir gehen weiter. Wir werden verwandelt. Gott ist am Werk. Die Schöpfung ist noch nicht vollendet. Gott erschafft den neuen Himmel und die neue Erde. Wir sind mittendrin in diesem Prozess. Wir wissen nicht, was kommt. Wir vertrauen uns an. Und wir geben uns hinein, mit dem, was uns anvertraut ist und was uns Kraft gibt. Wir teilen es miteinander. Gottes Geist verbindet uns, hier und da und dort, immer wieder neu. Es ist ein Wunder, das immer wieder geschieht. Der Geist weht, wo und wann er will. Heute und morgen. Zuhause und in der Fremde. Ich vertraue darauf.
Es ist schön, dass meine Ausstellung mit dem Pfingstfest endet. Ich bin gespannt auf alles, das sich heute und morgen ereignen wird. Ich freue mich auf die Menschen, die noch kommen werden. Ich freue mich auf die Klänge und das Licht. Ich freue mich darauf, Gemälde zu übergeben an diejenigen, die sie für sich reserviert haben. Ich freue mich auf die Finissage am Pfingstmontag um 18 Uhr. Ich freue mich auf den Abbau und das Heimkommen.
Ein Aphorismus von Dag Hammarskjöld ist mir heute eingefallen. Er sagt kurz und knapp, was ich heute empfinde:
"Dem Vergangenen: Dank.
Dem Kommenden: Ja!"
Ihnen allen und Euch allen wünsche ich ein frohes, gesegnetes Pfingstfest!
Gabriele Koenigs
Hier können Sie den Bundesjugendchor hören. Er singt die Motette von Johann Sebastian Bach: "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf...".
Viel Freude beim Hören!
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